Andrij Semjankiw: Seweryns Tanz mit den Knochen
aus dem Ukrainischen übersetzt von Ira Tweies
Seweryn Romanowytsch arbeitet als Leiter der Pathologie in einem Krankenhaus in Kyjiw. Was nach einem gut bezahlten Job mit Verantwortung klingt, ist in Wirklichkeit ein Leben im Halbdunkel des Krankenhaussouterrain, gemieden vom Kollegium, gefangen zwischen bürokratischen Prozessen und Alkoholexzessen und in steter Geldnot. Doch alles ändert sich, als dem Arzt ein lukratives, wenn auch illegales Angebot zur Entnahme von Körpergewebe unterbreitet wird. Niemand würde etwas bemerken. Seweryns Patienten sind schweigsam. Und wirklich scheint Seweryn endlich Erfolg zu haben. Aber mit jeder neuen Entscheidung verändert sich Seweryn. Wird aus dem missgelaunten Arzt zunächst ein Mann mit neu entdecktem Selbstvertrauen, so führt ihn die eigene Skrupellosigkeit Stück für Stück dem Abgrund näher. Die Frage ist nur noch, ob er selbst hinabstürzen wird. Oder ob er in seinem Tanz mit den kalten Knochen schon viel weiter gekommen ist, als ihm alle, die ihn zu kennen glaubten, zugetraut haben. Ein spannender Thriller aus dem Medizinmilieu, packend geschrieben, freizügig in seinen Details vom Seziertisch und natürlich spannend bis zum Schluss. Das Buch wurde im Jahr 2022 in der Ukraine als BBC Book of the Year gekürt. Die Jury befand, dass sich das Buch wie "Breaking Bad" liest und das tut, was Literatur im besten Fall tun soll – großartig unterhalten.
Thriller
400 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
26,00 Euro
Yulia Artsiomava: Ich bin die Revolution
aus dem Russischen übersetzt von Jakob Wunderwald
»Wenn sie keine Revolution wollen, warum verlegen sie dann auf ihren Plätzen Pflastersteine?« Darja fotografiert die Revolution. Auf dem Majdan in Kyjiw ist sie mittendrin. Es drängt sie weiter nach Moskau. Doch anstatt das nächste ikonische Foto zu schießen, versinkt sie dort mit Kostja, Phil und dem unberechenbaren Rest einer Moskauer Hausgemeinschaft in einer Welt aus Rauch, Musik, politischen Debatten und flüchtigen Allianzen. »Ich bin die Revolution« entstand im Jahr 2019 – vor der großen Protestbewegung in Belarus. Der Roman ist wie eine Zeitkapsel, die das Brodeln einfängt, das einer jeden Revolution vorausgeht. Die Entscheidungen zur Revolte sind dann auch weniger politisch als existenziell. Und so schreibt Yulia Artsiomava statt über den Aufruhr eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über Freundschaft und Liebe. Denn selbst wenn die Revolution –endlich – vor dem Fenster aufzieht, sind wir doch immer auch damit beschäftigt, unser eigenes Leben zu führen. »Я и есть революция« / »Ich bin die Revolution« ist eine sehr ehrliche, sehr weibliche und auf eine gute Art böse Geschichte über Revolutionen und Liebe, über Brüderlichkeit und Schwesternschaft, über sich auflösende Illusionen und das Erwachsenwerden als Entscheidung.
Roman
120 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
22,00 Euro
Barbara Klicka: Renette
aus dem Polnischen übersetzt von Lisa Palmes
Alles auf Anfang. Und das nicht nur einmal. Mira kehrt zurück in die Stadt ihrer Vergangenheit. Es ist keine freiwillige Rückkehr, aber eine unvermeidbare. Sie zieht ein in das Haus, das ihr nach einem Erbfall gemeinsam mit ihren Cousinen Anka und Róża gehört. Genau genommen besteht ihr Anteil nur in einem Zimmer im Dachgeschoss. Und auch dieses gehört ihr nicht allein. Sie teilt es sich mit einer stummen Sammlung von Kakteen. Immerhin findet sie einen neuen Job in der Stadt und trifft dort auch auf neue Menschen. Aber reicht das, um neu beginnen zu können? »Renette« ist eine Geschichte darüber, wie oft man sein Leben neu beginnen kann; eine Erzählung über Müdigkeit, Kapitalismus, Bewegung und Erstarrung. Über Frauen. Die Liebe. Und über einen Apfelbaum. Der Roman ist Band zwei unserer Reihe Mauke Mikro Roman, kurze Romane bis zu 150 Seiten mit neuen Stimmen aus dem Osten Europas; zu lesen an einem Abend oder auf einer Zugfahrt.
Roman
128 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
18,00 Euro
Yaryna Chornohuz: [Dasein – Verteidigung der Präsenz]
aus dem Ukrainischen übersetzt von Kseniya Fuchs
»Die Front frisst mein Herz auf und auch meine Freunde sie frisst all meine Wörter und blickt auf den Rest meines Körpers« In 35 Gedichten erzählt die ukrainische Lyrikerin Yaryna Chornohuz vom Leben im und mit dem Krieg, vom Verlust, vom Schmerz, vom Lieben und der Verteidigung der Präsenz. Die Gedichte haben eine scharfe Klarheit, wirken unzerbrechlich, als ob die Verse selbst durch die Umstände, unter denen sie geschrieben wurden, gehärtet sind. Denn Yaryna Chornohuz schreibt aus einer intimen Nähe zum Verteidigungskampf. Ihr Werk widersetzt sich jedoch der heroischen Mythenbildung und besteht stattdessen auf der ungeschminkten, erschütternden Wahrheit darüber, was der Krieg von den Lebenden verlangt.
Gedichte
104 Seiten
Hardcover, Leineneinband
Fadenheftung
20,00 Euro
Ruslan Horovyi: Was wir im Vorübergehen nicht sehen
aus dem Ukrainischen übersetzt von Jakob Wunderwald
In dreizehn Miniaturen nimmt uns Ruslan Horovyi mit in eine Zeit und in ein Land, das es in dieser Form inzwischen nicht mehr gibt. Aber seine tragischen Helden, die kann es noch immer geben, in vielen Ort in der Ukraine oder in jedem anderen Land der Welt. Ruslan Horovyi erzählt nämlich vor allem von Menschen. Von Menschen mit ihren Träumen, gelebt oder geplatzt, mit ihren Schwächen, Ängsten, Komplexen, mit ihren kleinen Momenten der Hoffnung und des Glücks. Eine schön traurig, hoffnungsvolle Sammlung.
Kurzgeschichten
140 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
18,00 Euro
Victoria Amelina: Ein Zuhause für Dom
aus dem Ukrainischen übersetzt von Jutta Lindekugel
Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie im ukrainischen Lwiw. Sie erlebt hier den Zerfall der Sowjetunion und die wilden 1990er. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive eines Hundes, des Pudels Dominik (Dom), der zusammen mit sechs Menschen einer Familie in einer heruntergekommenen Altbauwohnung lebt. Es sind die Mitglieder einer typischen Sowjetfamilie, die hier die Umbrüche durchzustehen versuchen: Ein pensionierter Oberst der sowjetischen Luftwaffe, Ivan Zilyk der aus der Ostukraine stammt und als Kind den Holodomor überlebte; seine aus Aserbaidschan stammenden Ehefrau, deren Töchter Olja und Tamara, beide geschieden, mit ihren Töchtern Marusja und Mascha. Die Figur des Oberst Zilyk verkörpert einen Typus, der bisher fast nirgends in der ukrainischen Literatur auftauchte: der überlebende Großvater, der Zeuge all der Gewalt des 20. Jahrhundert wurde und zwischen Opfer und Täter wechselte. Es ist eine große Erzählung über Geschichte(n), Veränderungen, über Anpassungen, über Heimat und Zuhause, über Ankommen und Weggehen. Der Roman zeichnet vor allem ein vielschichtiges Panorama weiblicher Figuren. Die Männer – jedenfalls der Familie – sind fast alle unsichtbar. Diese geschlechtsspezifische Asymmetrie ist aber kein Kunstgriff, sondern soll die soziale Realität spiegeln. Die Frauen sichern den Lebensunterhalt, versorgen die Kinder und organisieren das familiäre Überleben in prekären Verhältnissen. Victoria Amelina zeigt auch, wie private Lebensentwürfe von historischen und ökonomischen Machtverhältnissen beeinflusst und durchzogen sind. Und dass es gerade die Frauen sind, die in familiärer und gesellschaftlicher Beziehung für Stabilität sorgen. Hervorzuheben ist auch die Qualität der Übersetzung von Jutta Lindekugel, der es gelingt, den feinen Humor des Originals und seinen Rhythmus in die deutsche Sprache zu übertragen.
Roman
504 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
26,00 Euro
Olita Tidomane: Drei Katzen und ihr Mensch
aus dem Lettischen übersetzt von Berthold Forssman
Mit ihren drei Katzen – Rudi, Oswald und Adolph – lebt die Autorin des Buches zusammen in ihrer kleinen Wohnung. Das ist eine Schicksalsgemeinschaft, die alle vier immer wieder vor Herausforderungen stellt. In kurzen Kapiteln berichtet Olita Tidomane humorvoll, ehrlich und aufschlussreich von diesem Zusammenleben und vom Alltag als Katzenmensch. Das Buch enstand aus einem erfolgreichen Blog der Autorin. Diesen Ursprung will das Buch auch gar nicht verbergen. Es ist kein Sachbuch, keine Gebrauchsanleitung sondern ein unterhaltsames Kaleidoskop des Alltags mit Katzen und eine lustige Enzyklopädie dazu.. Viel Raum nehmen die (all)täglichen Vorfällen ein, durch die das Leben mit Katzen immer wieder aus den Fugen gerät. Aber es bleibt auch Raum für all die positive Energie, den Trost und die Zuneigung, zu der diese besonderen Tiere fähig sind. Jedes Kapitel wird von einer schönen Illustration des lettischen Künstlers Toma Kalninska eingeleitet. Ein leichte und überaus unterhaltsame Lektüre. Ein Buch für Katzenmenschen zum Selberlesen oder als schönes Geschenk!
Sachbuch
216 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
20,00 Euro
Date Vigante: Eismeer
aus dem Lettischen übersetzt von Bettina Bergmann
Im Lettland der Zwischenkriegszeit führen Irma und Edvards ein gutbürgerliches Leben. Doch im Juni 1940 dringt Stalins Rote Armee in Lettland ein, annektiert das baltische Land. Sogleich beginnen Massenverhaftungen und Deportationen. Auch Irma und Edvards werden nachts abgeholt, müssen alles zurücklassen: das Haus in Jurmala, die Freunde, vor allem ihre beiden Kinder, den fünfjährigen Sohn Kaspars und die Tochter Māra, nur wenige Monate alt. Edvards stirbt im Gulag. Irma überlebt. Ihre Gefangenschaft in den menschenleeren Weiten Sibiriens, weit oben am Polarmeer, wird 16 Jahre dauern. Und als sie 1956 endlich zurückkehren darf, ist alles für sie fremd, was sie in ihrer alten Heimat vorfindet: Fremde Menschen in ihrem Haus, eine ihr fremde Gegenwart. Und am schlimmsten: Selbst ihre Kinder sind ihr fremd sowie sie ihnen eine Fremde ist. Mit »Eismeer« gelang Dace Vigante der literarische Durchbruch. Es ist die Geschichte von Frauen, die durch die engste mögliche Verwandtschaft und das grausamste Jahrhundert der Menschheitsgeschichte zugleich verbunden und getrennt sind. Die Funken der Intimität und Liebe liegen so tief verborgen, dass es scheint, als sei ein Eismeer über den Herzen entstanden. Es erfordert großen Mut, das Eis der Entfremdung zu durchbrechen. Dace Vigante schreibt darüber. Ein Mauke Mikro Roman. Literatur entdecken.
Roman
128 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
18,00 Euro
Olena Sachartschenko: Bloß nicht bellen
aus dem Ukrainischen übersetzt von Jutta Lindekugel
»Bloß nicht bellen«, ermahnte Mascha ihren Hund Cookie zum Abschied. Es wird ein Abschied für immer. In neun Geschichten erzählt Olena Sachartschenko von Menschen, in deren gewohntes Leben unvermittelt der russische Angriffskrieg hereinbricht. Es sind kleine Geschichten aus den ersten Wochen des Krieges. Aber es sind keine Kriegsgeschichten. Es ist ein Buch über Menschen, über schicksalhafte Begegnungen, über Fluchten und Rettungen – und über Tiere. Olena Sachartschenko gelingt in ihren Miniaturen eine ganz besondere Perspektive auf das Leben, auf den Willen zum Überleben und immer wieder auch auf die nie erlöschende Hoffnung. Unbedingt lesenswert.
Kurzgeschichten
112 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
18,00 Euro
Tamara Duda: Donezk Girl
aus dem Ukrainischen übersetzt von Annegret Becker, Lukas Joura und Alexander Kratochvil
Donezk im Frühjahr 2014. Eine junge Frau, Elfe genannt, kam als junges Mädchen aus Wolhynien in den Donbas, um fortan bei ihrer Großmutter zu leben. Hier behauptet sie sich gegen einen grauen Alltag, baut sie sich eine Existenz als Glasgestalterin und erfolgreiche Unternehmerin auf - gegen alle Widerstände. Doch dann tauchen bewaffnete Männer auf, kommen russische Soldaten, erst verdeckt, dann offen. Elfe beginnt, sich gegen die Invasion, die ihr alles zu nehmen droht, zu wehren. Tamara Duda beschreibt in ihrem Roman aus eigenem Erleben, wie sich Donezk im Jahr 2014 zunächst unmerklich, dann immer unwiderruflicher veränderte. Wie Menschen, Häuser und ganze Stadtteile zerstört werden, wie Plünderung und Gewalt alltäglich wurden, wie russischen Besatzer immer weiter vordrangen und wie sich die Einheimischen dazu verhielten. Der Roman »Töchterchen« wurde in der Ukraine mit seinem Erscheinen im Jahr 2019 sofort ein Bestseller und auf Anhieb zum »BBC Book of the year« gewählt. Nie zuvor wurden die Ereignisse des Jahres 2014 im Osten der Ukraine, die erste Phase der russischen Invasion, so ehrlich, so authentisch, so ergreifend und noch dazu aus der Perspektive einer Frau erzählt. Dabei beruht alles Erzählte auf tatsächlichen Geschehnissen. Wie ein Film zieht die Handlung an den Leserinnen und Lesern vorbei, voller Spannung und Tempo. Kaum bleibt Zeit, durchzuatmen. Das Buch ist schon heute ein Klassiker der (Anti-)kriegsliteratur. Eine unbedingte Leseempfehlung. Band 7 unserer Edition Europastraße
Roman
364 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
24,00 Euro
Ann De Craemer: Kopfsturmtage
aus dem Flämischen übersetzt von Lotte Hammond
»Das Ende der Geschichte ist vorhersehbar: Ich schreibe, also lebe ich.« Wie unvermittelt das eigene Leben aus der Bahn geraten kann, davon erzählt Ann De Craemer in ihrem autobiografischen Bericht »Kopfsturmtage«. Es ist die Geschichte ihrer Erkankung an einer Depression, die an einem sonnigen Maitag plötzlich über sie herein brach und ihr bisheriges Leben zum Stillstand brachte. Ann De Craemer berichtet ehrlich und offen von der Last, die fortan auf ihr lag, von der Leere, der Antriebslosigkeit und dem fehlenden Lebensmut. Es ist eine poetische Beschreibung des langen Wegs zurück in das Leben, eine ebenso ehrliche wie schonungslose Selbstbeobachtung. Und es ist auch ein Buch über das Leben selbst, über das kleine Glück und das Glück im Kleinen. Band 6 unserer Edition Europastraße
Roman
184 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
22,00 Euro
Volodymyr Vakulenko: Ich verwandle mich
aus dem Ukrainischen übersetzt von Beatrix Kersten
Der ukrainische Schriftsteller Volodymyr Vakulenko-K. geriet in seinem Heimatdorf Kapitoliwka nahe Isjum im März 2022 unter russische Besatzung. In persönlichen Aufzeichnungen hielt er seine Beobachtungen und Gedanken aus dieser Zeit fest. Der letzte Eintrag stammt vom 21. März 2022. Am 22. März wurde er zusammen mit seinem an Autismus leidenden Sohn von russischen Soldaten verhaftet, zunächst wieder freigelassen, um am 24. März erneut entführt zu werden. Sein geschundener Leichnam wurde im September 2022 nach der Befreiung der Region Isjum durch die ukrainischen Streitkräfte in einem der Massengräber gefunden. Der ukrainischen Schriftstellerin Victoria Amelina ist es zu verdanken, dass die Aufzeichnungen gerettet werden konnte. Sie fuhr noch im September 2022 in das Heimatdorf von Volodymyr Vakulenko und fand die Aufzeichnungen vergraben im Garten neben einem Kirschbaum. So wurde dieses Buch möglich, das neben den Aufzeichnungen von Volodymyr Vakulenko auch eine Auswahl seiner Gedichte enthält. Enthalten sind zudem ein Vorwort von Victoria Amelina über ihre Suche und Rettung des Manuskripts, Texte von Sashko Dermanskyi, Kateryna Lykhoglyad und Iryna Novicka sowie ein Nachwort von Franziska Davies. Die ukrainische Originalausgabe des Buches konnte am 22. Juni 2023 zum BücherArsenal in Kyjiw durch Victoria Amelina präsentiert werden. Nur fünf Tage später, am 27. Juni 2023, wurde Victoria Amelina Opfer eines russischen Raketenangriffs auf ein Restaurant in Kramatorsk. Sie starb an ihren schweren Verletzungen am 1. Juli 2023, dem Geburtstag von Volodymyr Vakulenko. So ist dieses Buch auch ein Nachruf auf gleich zwei der hoffnungsvollsten Talente ihrer Generation in der ukrainischen Literatur und ein mahnendes Zeugnis des russischen Terrorkriegs gegen die Ukrainerinnen und Ukrainer und die ukrainische Kultur und Identität.
Sachbuch
176 Seiten
Hardcover, Leineneinband
Fadenheftung
24,00 Euro
Magda Kalandadse: Das zweite Zimmer
aus dem Georgischen übersetzt von Rachel Gratzfeld
Elene lebt in Tbilisi, der Hauptstadt Georgiens. Und Elene liebt eine Frau. Doch das soll niemand wissen, denn in der homophoben georgischen Gesellschaft ist das auch heute noch gefährlich. Darum lebt Elene allein in der großen Wohnung, die ihr Ex-Mann ihr überließ. Sie teilt sich ihre Tage mit den mühsam in Schach gehaltenen Schatten ihrer Vergangenheit und lebt ihr eigenbrötlerisches Leben als Übersetzerin und Lektorin. Gelegentliche Besuche ihrer Freundin, stets heimlich ausgeführt, stellen die größte Abwechslung in ihrem eintönigen Alltag dar. Nichts scheint dieses stille Leben aus dem Gleichgewicht bringen zu können. Bis Elene aus finanziellen Gründen gezwungen ist, das zweite Schlafzimmer ihrer Wohnung unterzuvermieten. Als neue Mieterin zieht Lena bei ihr ein, eine junge Frau - und LGBTQ-Aktivistin. Fortan wird Lena mit ihrer Lebendigkeit Elenes Aufmerksamkeit und Energie beanspruchen. Denn jedes ausgesprochene Wort, jeder Schritt den Elene auf Lena zu geht, fordert äußerste Vorsicht in einer Gesellschaft, in der Intoleranz und Gewalt allzu oft straffrei bleiben. Warum also sollte Elene aus dem Halbdunkel ihrer verborgenen Existenz heraustreten? In ihrem Debütroman gelingt der georgischen Autorin und LGTBQ-Aktivistin Magda Kalandadse ein großartiges Kammerspiel über ein Coming Out. Sie schafft eine Atmosphäre, in der die Leser:innen hineintreten in ein Dreiecksverhältnis, wenn Elene ihre Mitbewohnerin Lena beobachtet und die Leser:innen Elene genau dabei zusehen. Die Sprache im Romanist lebensweltlich, direkt und schnörkellos, ganz sicher auch ein Verdienst der Übersetzerin Rachel Gratzfeld, die das Werk aus dem Georgischen ins Deutsche übertrug. Die Covergestaltung übernahm die Züricher Künstlerin Andrea Vollgas (www.vollgas.studio) Band 4 unserer Edition Europastraße
Roman
160 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
22,00 Euro
Olena Sachartschenko: Kämpferinnen
aus dem Ukrainischen übersetzt von Jutta Lindekugel
Mittwoch, 19. Februar 2014. Seit Wochen wird auf dem Majdan im Herzen Kyjiws demonstriert. Die Proteste haben in den letzten Tagen noch einmal Zulauf erhalten. Das Regime unter dem korrupten Präsidenten Wiktor Janukowytsch reagiert mit enthemmter Gewalt. Doch Katja will heute nicht auf den Majdan. Sie möchte ihren Sohn Danylo von der Schule im Zentrum der Stadt abholen, ihn in Sicherheit bringen. Aber noch bevor sie die Schule erreicht, gerät sie mitten hinein in die Woge aus Protest und Gewalt, wird von ihr mitgerissen und verliert den Kontakt zu ihrem Sohn. Es beginnt eine verzweifelte Suche auf und unter dem Majdan in dieser Nacht, in der sich das Schicksal der Ukraine durch einen Paukenschlag entscheiden wird. Olena Sachartschenko erzählt den Euromajdan konsequent aus Perspektive der Frauen. Sie erzählt von einem Kyjiw, das Gäste der Stadt nur selten zu sehen bekommen, vom Erbe der Sowjetzeit, das zuweilen bleischwer auf der ukrainischen Gesellschaft lastet und von Kämpferinnen, die mitbestimmen wollen, wenn es um die Zukunft der Ukraine geht – und um ihre eigene Zukunft. Band 3 unserer Edition Europastraße
Roman
352 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
24,00 Euro
Olena Stjaschkina: Der Tod des Löwen Cecil ergab Sinn
aus dem Ukrainischen übersetzt von Jakob Wunderwald
Am 16. April 1986 werden auf einer Entbindungsstation in Donezk zwei Jungen und zwei Mädchen geboren. Hans Fink, Kommunist und Ukrainer mit deutschen Wurzeln, will einem der Neugeborenen mit deutschen Vorfahren den Namen Ernst Thälmann geben: zum Andenken an den Führer der KPD, vor allem aber, um dem Jungen sein eigenes Schicksal, ewig als Nazi verleumdet zu werden, zu ersparen. Den Eltern werden eine Wohnung, ein Auto und ein Teppich versprochen. Die örtliche Presse ist informiert. Aber die Dinge gestalten sich komplizierter als erwartet. Über drei Jahrzehnte begleitet Olena Stjaschkina in ihrem Roman die Menschen, die an diesem Apriltag 1986 in Donezk schicksalhaft zusammengeführt werden. Mosaikartig setzt sich ein Bild der Veränderungen in Donezk zusammen, vom Ende der Sowjetunion bis in das zweite Jahrzehnt des neuen Jahrtausends. Es ist ein Roman über Identität: deutsch, polnisch, ukrainisch, russisch. Mit einer präzisen Sprache entfaltet sich ein Verständnis für die Region im Osten der Ukraine, die von vielfältigen kulturellen Einflüssen geprägt ist aber auch von den Wunden des sowjetrussischen Imperialismus. Das Jahr 2014, der russische Invasion, wird im Roman zur Zäsur, auch sprachlich. Der Roman, der im Original in russischer Sprache beginnt, wechselt an dieser Stelle in das Ukrainisch. Mit ihrem Roman wird Olena Stjaschkina zu einer wichtigen Stimmen, die uns hilft, die Kultur der als Donbas bezeichneten Region verstehen zu lernen und der russischen Kriegspropaganda zu widerstehen. Donezk gehört zu Ukraine. Sprache ist kein ausreichender Indikator für eine Zuordnung zu einem bestimmten Staat. Und nicht jeder, der im Alltag Russisch spricht, will Russin oder Russe sein. Auch das lernen wir in diesem Roman.
Roman
296 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
24,00 Euro
Howik Afjan: Rot ist der Krieg
aus dem Armenischen übersetzt von Valerie Engler
In Zeiten des Krieges. Armenien oder ein anderer Ort. Menschen müssen leben, weiterleben, müssen durchhalten. Der Krieg verändert alles. Sogar die Farben. Er greift tief ein in das Leben aller, zwingt sie zu Entscheidungen, meistens ungewollte, meistens grausame. Kriege werden geführt zwischen Staaten, zwischen Völkern – und zwischen Menschen. Diese Geschichte erzählt von Kriegen, erzählt davon über verschiedene Zeiten, erzählt von Menschen, die sich lieben, die sich bekämpfen: in ihrem Haus, in ihrer Stadt, an der Grenze ihres Landes. Sie erzählt davon, dass weder die Liebe noch der Kampf aufhören. Der Roman über Menschen, die sich in einem Krieg befinden, entstand im Jahr 2020, noch vor dem 44-tägigen Krieg, der einem Angriff Aserbaidschan auf das benachbarte Armenien folgte, und noch vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Er nimmt vorweg, wie sich der Krieg in den Alltag der Menschen frisst, sie beschädigt, wie er Zukunft raubt und zerstört. Und er zeigt auf, warum Frieden nicht bloß die vorübergehende Abwesenheit von Krieg bedeuten kann.
Roman
136 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
20,00 Euro
Susanna Harutyunyan: Raben vor Noah
aus dem Armenischen übersetzt von Susanna Yeghoyan
In dem Dorf, versteckt in den armenischen Bergen, gab es keine Kirchtürme, keine Gräber und auch keine Mauern oder Zäune, die einem Menschenleben Grenzen setzten. Die Bewohner huschten hier wie Eidechsen von einem Steinhaufen zum nächsten, besser verborgen als unterirdische Quellen. Niemand wusste von der Existenz dieses Ortes. Sogar die Zeit fürchtete sich davor, ihn zu betreten. Zuwachs brachten dem Dorf nicht die Geburten, sondern die Fahrten Haruths in die Welt. Stets fand er einen Mensch, der vor der Ausweglosigkeit stand: vor dem Gesetz, den Türken, der Ehefrau oder sich selbst. Auch Nachschun brachte er von einer seiner Fahrten mit. Sie trug nicht nur die Erinnerungen an die türkischen Mörderbanden in ihrer Seele, sondern auch die Folgen der Grausamkeiten in ihrem Körper. Doch wird im Dorf Platz sein für das Leben? Und wird die Welt den Menschen hier gestatten, dass sie vergessen werden? Susanna Harutyunyan folgt den Menschen in diesem namenlosen Dorf in der Zeit von 1895 bis 1960. Sie zeigt ein Panorama beschädigter Seelen und spiegelt in den unterschiedlichen Schicksalen die vielfachen Brutalitäten des 20. Jahrhunderts in Europa am Beispiel der Menschen in Armenien.Der Krieg verändert alles. Sogar die Farben. Er greift tief ein in das Leben aller, zwingt sie zu Entscheidungen, meistens ungewollte, meistens grausame. Kriege werden geführt zwischen Staaten, zwischen Völkern – und zwischen Menschen. Diese Geschichte erzählt von Kriegen, erzählt davon über verschiedene Zeiten, erzählt von Menschen, die sich lieben, die sich bekämpfen: in ihrem Haus, in ihrer Stadt, an der Grenze ihres Landes. Sie erzählt davon, dass weder die Liebe noch der Kampf aufhören. Der Roman über Menschen, die sich in einem Krieg befinden, entstand im Jahr 2020, noch vor dem 44-tägigen Krieg, der einem Angriff Aserbaidschan auf das benachbarte Armenien folgte, und noch vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Er nimmt vorweg, wie sich der Krieg in den Alltag der Menschen frisst, sie beschädigt, wie er Zukunft raubt und zerstört. Und er zeigt auf, warum Frieden nicht bloß die vorübergehende Abwesenheit von Krieg bedeuten kann. Band 1 der Edition Europastraße
Roman
232 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
22,00 Euro
S. Musajewa, A.Alijew: Mustafa Dschemilew – Gespräche mit einem Unbeugsamen
aus dem Ukrainischen übersetzt von Beatrix Kersten
Mustafa Dschemilew – aufrecht und unbeugsam. Geboren 1943 auf der Krim, ist sein Schicksal eng verwoben mit dem Leid, das erst Stalin und heute das Russland unter Putin über das krimtatarische Volk brachten. Auch die Familie von Mustafa Dschemilew wurde 1944 von der Krim deportiert. Er wuchs auf in Usbekistan und begann von dort aus Anfang der 1960er-Jahre, gerade volljährig geworden, für die Rechte der Krimtatarinnen und Krimtataren zu kämpfen. Er war Mitgründer der Initiativgruppe zur Verteidigung der Menschenrechte in der Sowjetunion, wurde insgesamt sechs Mal zu Haftstrafen in Straflagern verurteilt, begab sich aus Protest 303 Tage in Hungerstreik, länger als jeder andere Dissident in der Sowjetunion. Und er überlebte die sowjetische Diktatur. Er konnte zurückkehren in seine Heimat, die Krim – bis er 2014 wieder vertrieben wurde. In mehreren Gesprächen berichtet Mustafa Dschemilew in diesem Buch der Journalistin Sevhil Musajewa und dem Journalisten Alim Alijew von seinem Widerstand gegen die Diktatur in der Sowjetunion, über seinen Einsatz für die Rechte der Krimtatarinnen und Krimtataren, und von den neuerlichen Verbrechen, die Russland seit 2014 auf der ukrainischen Krim verübt.
Sachbuch
216 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
24,00 Euro
Dagmar Kopfstahl: Rigaer Tagebuch 1917 bis 1920
herausgegeben von Ojārs Spārītis
»Da dieses Jahr ein so ereignisreiches ist, beschloss ich ein Tagebuch zu führen ...« Als die 12jährige Dagmar Kopfstahl aus Riga im März 1917 die ersten Sätze in ihr neues Tagebuch schrieb, ahnte sie nicht, dass sie Chronistin eines Epochenwandels werden würde. Über drei Jahre dokumentierte sie, Angehörige der deutschen Minderheit, ihren Alltag, ihre Beobachtungen und auch ihre Meinungen als am Ende des 1. Weltkrieges um sie herum in vielen Kämpfen aus einer Provinz des Russischen Zarenreiches ein neuer Staat entstand: Die Republik Lettland. Dem vollständigen Text des Tagebuchs vorangestellt ist eine Einführung von Ojārs Spārītis. In einem weiteren Aufsatz setzt sich Ivars Ījabs mit der deutschbaltischen Geschichte auseinander. Abgerundet wird das Buch durch einen Beitrag von Elena Ilgmann, die in verständlicher Weise in die wenig bekannte Geschichte des baltischen Unabhängigkeitskrieges und die deutsche Verwicklung in diesen von 1917 bis 1920 dauernden Kampf einführt. Ein authentisches Stück Zeitgeschichte
Sachbuch
280 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
20,00 Euro
Tetjana Trofymenko: Mit spitzer Feder / #Окололітературне.
aus dem Ukrainischen übersetzt von Beatrix Kersten
Kommen Sie mit auf eine Entdeckungsreise durch die zeitgenössische ukrainische Literatur! Die bekannte Literaturkritikerin Tetjana Trofymenko präsentiert in fein pointierten Rezensionen einen Überblick über das facettenreiche literarische Schaffen in der Ukraine aus den Jahren 2007 bis 2017. Auf eine sehr eingängige und unterhaltsame Weise schafft dieses Buch Zugang zu einer Literaturszene, die sich bis vor Kurzem weitgehend außerhalb unserer Wahrnehmung entwickelt hat. Neben mehr als 40 Buchbesprechungen gibt Tetjana Trofymenko auch einen launigen Überblick über den Buchmarkt in der Ukraine in all seiner Vielfalt, mit seinen Höhen und Tiefen. Für alle Leserinnen und Leser, die einen ersten Überblick über die ukrainische Literaturszene suchen, für Lektorinnen und Lektoren, die nach noch zu entdeckenden Autorinnen und Autoren fahnden und für wirklich alle, die Freude am klugen und witzigen Gespräch über Literatur haben.
Sachbuch
352 Seiten
Softcover, Fadenheftung
18,00 Euro
Larisa Kaminska: Wie Großvater Ostap Weihnachten wiederfand
Weihnachten ist das Fest der Lieder und der Freude. Doch Großvater Ostap sitzt in seiner Werkstatt und will von Weihnachten nichts wissen. Die Kinder, die an seine Tür klopfen, vertreibt er. Was hat ihn nur um die Freude am Weihnachtsfest gebracht? Aber auch Slawko, dem Jungen aus dem Haus gegenüber, ist in diesem Jahr nicht nach Weihnachten zumute. Eigentlich wollte er wieder mit seinen Freunden von Tür zu Tür ziehen. Sie würden Lieder singen und Slawko auf seiner Geige spielen. Auch seine kleine Schwester Jarynka wäre in diesem Jahr mit dabei, er hatte es ihr versprochen. Doch Jarynka liegt im Krankenhaus und wird von Tag zu Tag blasser und stiller. Jetzt kann nur noch ein Wunder dieses Weihnachtsfest retten.
Kinderbuch
48 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
20,00 Euro
Halyna Wdowytschenko: 36 und 6 Katzen
aus dem Ukrainischen übersetzt von Kati Brunner
36 und 6 Katzen standen an einem verregneten Abend vor Frau Buchtel und baten um Einlass in deren kleine Wohnung. So viele? Ja, 36 erwachsene und 6 kleine Katzen – nicht mehr und nicht weniger. Das ergab ein ordentliches Durcheinander. Die Katzen stellten das Leben von Frau Buchtel und ihres Neffen Stas gehörig auf den Kopf. Und doch war es ein riesen Glück für alle, dass die Katzen genau diese Wohnung ausgewählt hatten. Ihr werdet sehen …
Kinderbuch
152 Seiten
Hardcover, Fadenheftung
22,00 Euro





















